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Depeche Mode | They Never Let Me Down

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Heute oute ich mich hier als alter Sack. Warum? Weil Depeche Mode meine erste große Liebe waren. Nicht 1992, sondern 1982. Bochum, Zeche. Broken Frame Album. Eine eher schüchterne Band auf der Bühne, ein Publikum von 15-jährigen New Wavern wie mir, die nach dem Konzert von den wartenden Muttis in Autos gesteckt und in die Ruhrpottvororte gegurkt wurden. Die Folgen dieses Konzerts waren dramatisch. Seitenhaare ausrasiert, Fanclub gesucht und fortan nur noch zackige Elektronik gehört. Obwohl, zackig waren Depeche Mode eigentlich nicht. Ganz im Gegenteil, denn nach Vince Clarke wurde der Sound auch wesentlich weicher, poppiger aber nicht unbedingt gefälliger. Denn auch in den Folgejahren wuchsen zwar die Hallengrößen, die Fanmassen, aber es waren immer noch reichlich coole Leute im Publikum. Während mein Geschmack über EBM, Electro Hip Hop, House, Acid fächerte, so fiel bei Depeche Mode vor allem eines auf: mit jedem Album wuchsen sie, hatten immer die Hand am aktuellen Sound der Zeit, holten sich Produzenten rein, die das wiedergaben und klangen nie alt, während andere Helden der New Wave Era sich immer wieder kopierten oder gleich auflösten. In den Clubs sah man aber fortlaufend Dave Gahen Lookalikes in Fliegerjacken und der verwegen runterhängenden Strähne. Für Frauen muss diese Zeit die Hölle gewesen sein.

Eigentlich machten es Depeche Mode einem immer leicht Fan zu bleiben. Musikalisch entwickelte sich ihr Sound stets weiter, blieb selten stehen, hatte wenige schwache Momente und viele große. Man hatte nie das Gefühl einer alternden Band zu folgen. Wobei Band die Entwicklung wirklich gut umschreibt. Denn mit der Größe wuchs man zur richtigen Band an, sogar ans Stadion Niveau. Verrückt, das hätte ich 1982 sicher nicht erwartet. Vor allem, dass es nie scheiße klang! Und das in der großen Zeit der 90er mit “Personal Jesus”, “Walking In My Shoes”, “Barrel Of A Gun”. Dazu die CI von Anton Corbijn, die sich durch Videos und Bühnenbilder zog. Dass ausgerechnet eine Synth-Pop Band es schaffte zum Massenphänomen zu werden und sich qualitativ zu halten, fand ich sensationell. Auch wenn das der Band viel abverlangte und sich bei den Konzerten immer mehr Zahnarzthelferinnen und Versicherungsangestellte wiederfanden und grausige Depeche Mode Parties als Ü30 Datingplattformen die Clublandschaft verschandelten. Insgeheim hoffte ich ja immer, dass es hinter den Kulissen nie so abging, wie bei Metallica, die sich irgendwann Eheberater ins Haus holten. Kreatives Resultat der Sinnkrisen waren großartige Soloalben von Gore, Gahan und Wilder, der sich aber ganz in die Solo Karriere vertiefte und dem Blues verfiel.

Dem Blues verfiel man als Fan eher selten, auch, wenn die Wartezeiten zwischen den Alben länger wurden und die Pressekonferenzen für die Neuveröffentlichungen immer grotesker. Im Download-Zeitalter musste man halt immer etwas lauter trommeln. Ausgetrommelt hatte es sich für mich vorläufig bei “Sounds Of The Universe”. Erstmals hatte ich das Gefühl die Luft war raus. Keine soundtechnischen Innovationen, billige Retro-Elemete und wirklich durchschnittliche Songs. Erstaunlicherweise fand ich das nicht dramatisch. Nach fast 30 Jahren durfte es auch mal einen Ausfall geben. Alle Augen liegen für mich jetzt auf “Delta Machine”, das am 22. März erscheinen soll. “Heaven” als Single gibt schon mal eine melancholische Richtung vor, wie Dave Gahan sie zuletzt exzessiv auf dem Soulsavers Album “The Light, The Dead Sea” ausgelebt hat. Find ich klasse. Und ich bin mir sicher, nochmal lassen Depeche Mode mich nicht hängen.

Text: Sascha Voss

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One Comment

  1. Ich bin exakt dergleichen Auffassung ebenso wie mein Vorredner – zutiefst wissenswert dargelegter Abhandlung. Weiter so!

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